Sirenensignale in Deutschland: Was die Töne bedeuten
Wie dieses Projekt und seine Beitragsbilder entstehen
Wenn draußen eine Sirene heult, entscheidet sich in den ersten Sekunden, ob man reagiert oder nur irritiert aus dem Fenster schaut. Dabei gibt es in Deutschland nur zwei bundesweit einheitliche Sirenensignale, und beide dauern genau eine Minute. Der Unterschied liegt allein darin, ob der Ton gleichmäßig bleibt oder an- und abschwillt. Dieser Beitrag erklärt, welches Signal was bedeutet, was Sie danach tun sollten, warum die Sirene heute nur noch ein Baustein unter mehreren ist und wann der nächste bundesweite Warntag stattfindet.
Die zwei Signale, die Sie kennen müssen
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) unterscheidet für die Warnung der Bevölkerung zwei Töne. Sie sind bundesweit gleich und lassen sich mit etwas Übung sofort auseinanderhalten.
| Signal | Ton | Dauer | Bedeutung | Was Sie tun |
|---|---|---|---|---|
| Warnung | auf- und abschwellender Heulton | eine Minute | Es besteht eine Gefahr | Rundfunk einschalten, Fenster und Türen schließen, Nachbarn informieren |
| Entwarnung | gleichbleibender Dauerton | eine Minute | Die Gefahr ist vorbei | Weiterhin auf Durchsagen achten |
Eine dritte Variante hören viele Menschen deutlich häufiger als die beiden oben: den Feuerwehralarm. Der wird von der Kommune ausgelöst, um die freiwilligen Einsatzkräfte zusammenzurufen, und besteht üblicherweise aus einem unterbrochenen Dauerton. Er richtet sich nicht an die Bevölkerung und ist kein Grund zur Sorge. Weil die genaue Tonfolge von Bundesland zu Bundesland und teils von Gemeinde zu Gemeinde abweicht, lohnt sich ein Blick auf die Seite Ihrer eigenen Kommune — dort steht, welche Signale bei Ihnen vor Ort verwendet werden.
Was nach dem Warnsignal zu tun ist
Die Sirene sagt Ihnen, dass etwas ist. Sie sagt Ihnen nicht, was. Genau dafür ist der zweite Schritt gedacht, und der wird oft übersprungen.
- Rundfunk einschalten. Lokalsender und öffentlich-rechtliche Programme unterbrechen ihr Programm für amtliche Durchsagen. Ein netzunabhängiges Radio ist hier Gold wert, weil bei einem großflächigen Ereignis auch der Strom ausfallen kann.
- Fenster und Türen schließen, Lüftungen und Klimaanlagen aus. Bei einem Brand- oder Chemieereignis ist das die wirksamste Sofortmaßnahme überhaupt.
- Im Gebäude bleiben, bis Sie wissen, worum es geht. Der Reflex, nach draußen zu laufen und nachzusehen, ist der falsche.
- Nachbarn informieren, besonders ältere Menschen und alle, die den Ton vielleicht nicht gehört haben.
- Das Telefon in Ruhe lassen. Der Notruf 112 ist für Menschen in akuter Not da. Wer dort anruft, um zu fragen, was los ist, blockiert eine Leitung.
Warum die Sirene allein nicht mehr reicht
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde ein großer Teil des Sirenennetzes abgebaut. Erst die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 hat sichtbar gemacht, welche Lücke dadurch entstanden war. Seitdem wird wieder aufgebaut, aber flächendeckend ist das Netz bis heute nicht.
Das BBK setzt deshalb auf einen Warnmittelmix — dieselbe Meldung geht über so viele Wege gleichzeitig hinaus wie möglich:
- Sirenen — erreichen auch Schlafende und Menschen ohne Handy, sagen aber nichts über die Art der Gefahr
- Cell Broadcast — seit Februar 2023 im Einsatz. Die Warnung geht an alle Mobiltelefone in einer Funkzelle, ohne App, ohne Anmeldung, ohne dass jemand Ihre Nummer kennen muss
- Warn-Apps wie NINA — ausführlicher als Cell Broadcast, mit Handlungsempfehlungen und Karten
- Rundfunk und Fernsehen — hier kommen die eigentlichen Informationen
- Digitale Anzeigetafeln an Bahnhöfen und im Stadtraum
Alles zusammen läuft über das Modulare Warnsystem MoWaS, mit dem Behörden eine Meldung einmal erfassen und gleichzeitig auf allen Kanälen ausspielen.
Der bundesweite Warntag
Einmal im Jahr, am zweiten Donnerstag im September um 11 Uhr, testen Bund, Länder und Kommunen gemeinsam ihre Warnsysteme. Dann heulen die Sirenen, Cell Broadcast löst aus, Warn-Apps schlagen an. Um 11:45 Uhr folgt die Entwarnung.
Der letzte Warntag war der 10. September 2026, der nächste fällt auf den 9. September 2027.
Dieser Tag ist die beste Gelegenheit, die eigene Vorsorge zu prüfen, und er kostet Sie nichts:
- Hören Sie die Sirene bei sich überhaupt? Und bei geschlossenem Fenster?
- Kommt die Cell-Broadcast-Meldung auf allen Handys im Haushalt an?
- Findet jeder im Haushalt das Radio und weiß, welcher Sender der richtige ist?
- Wissen Kinder und ältere Angehörige, was der Ton bedeutet?
Wenn etwas davon nicht klappt, haben Sie ein Jahr Zeit, es in Ordnung zu bringen — und zwar in Ruhe, statt im Ernstfall.
Wie ernst muss man das nehmen?
Ehrlich gesagt: Die meisten Menschen in Deutschland werden eine echte Sirenenwarnung nie erleben. Die häufigsten Anlässe sind Großbrände mit Rauchentwicklung, Chemieunfälle, Bombenfunde aus dem Zweiten Weltkrieg und Hochwasser — allesamt lokal begrenzt.
Das ist aber kein Argument gegen das Wissen darum, sondern eines dafür, dass es wenig kostet. Zwei Signale, eine Minute, eine Regel: Ton schwillt an und ab — Radio an. Mehr muss niemand auswendig können. Was danach kommt, hängt ohnehin vom Einzelfall ab, und genau das erfahren Sie dann über die anderen Kanäle.
Wer tiefer einsteigen will, findet bei uns die Stromausfall-Vorsorge im Überblick und den Familien-Notfallplan — dort geht es darum, was nach der Warnung passiert.
Häufige Fragen
Was bedeutet ein auf- und abschwellender Sirenenton?
Er bedeutet Warnung: Es besteht eine Gefahr. Das Signal dauert eine Minute. Schalten Sie danach das Radio ein, schließen Sie Fenster und Türen und bleiben Sie im Gebäude, bis Sie wissen, worum es geht.
Was ist das Signal für Entwarnung?
Ein gleichbleibender Dauerton von einer Minute. Er bedeutet, dass die Gefahrenlage vorbei ist. Achten Sie trotzdem weiter auf Durchsagen im Rundfunk.
Wann ist der nächste bundesweite Warntag?
Der bundesweite Warntag findet jährlich am zweiten Donnerstag im September um 11 Uhr statt. Der letzte war am 10. September 2026, der nächste fällt auf den 9. September 2027. Die Entwarnung folgt jeweils um 11:45 Uhr.
Warum höre ich bei mir keine Sirene?
Nach dem Kalten Krieg wurde ein großer Teil des Sirenennetzes abgebaut. Der Wiederaufbau läuft seit der Flutkatastrophe 2021, ist aber nicht flächendeckend abgeschlossen. Ob es in Ihrer Gemeinde Sirenen gibt, erfahren Sie bei der Stadt- oder Gemeindeverwaltung.
Was ist der Unterschied zwischen Sirene und Cell Broadcast?
Die Sirene erreicht auch Schlafende und Menschen ohne Handy, sagt aber nichts über die Art der Gefahr. Cell Broadcast schickt seit Februar 2023 eine Textmeldung an alle Mobiltelefone in einer Funkzelle, ohne App und ohne Anmeldung. Beides ergänzt sich und ersetzt sich nicht.
Soll ich bei Sirenenalarm die 112 anrufen?
Nein. Der Notruf 112 ist für Menschen in akuter Not. Wer dort anruft, um zu fragen, was los ist, blockiert eine Leitung. Informationen kommen über Rundfunk, Warn-Apps und im Ereignisfall über eingerichtete Bürgertelefone.
