Wasservorrat anlegen: Wie viel Wasser, welche Kanister, wie lange haltbar
Wie dieses Projekt und seine Beitragsbilder entstehen
Einen Wasservorrat anlegen ist die wichtigste und zugleich günstigste Vorsorgemaßnahme überhaupt. Ohne Strom fallen in vielen Häusern nach Stunden die Pumpen aus, bei einem Rohrbruch oder einer Verunreinigung ist das Wasser von einer Minute auf die andere weg, und ein Mensch kommt ohne Trinkwasser nur wenige Tage aus. Dieser Ratgeber rechnet aus, wie viel Wasser du pro Person brauchst, vergleicht Kanister, Flaschen und Faltbehälter, erklärt, wie lange Leitungswasser im Kanister wirklich hält und wie du es konservierst, und zeigt, was du bei einer Warnung in den letzten Minuten noch abfüllen kannst.
Wie viel Wasser pro Person? Die Rechnung
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz empfiehlt einen Vorrat für zehn Tage mit 2 Litern pro Person und Tag zum Trinken und Kochen, also 20 Liter pro Person. Das ist das Minimum. Wer Hygiene mitrechnet (Zähne putzen, Hände waschen, Geschirr, Toilette), kommt schnell auf das Doppelte, und dieses Brauchwasser muss keine Trinkwasserqualität haben.
| Haushalt | Trinkwasser 10 Tage (2 l/Tag) | Brauchwasser zusätzlich (2 l/Tag) | Praktische Lösung |
|---|---|---|---|
| 1 Person | 20 Liter | 20 Liter | 2 Kanister à 10 l plus 2 Kisten Mineralwasser |
| 2 Personen | 40 Liter | 40 Liter | 4 Kanister à 10 l plus 3 Kisten, Badewanne bei Warnung |
| Familie, 4 Personen | 80 Liter | 80 Liter | 6 Kanister à 10 l plus 5 Kisten, Badewanne, Regentonne für Brauchwasser |
| Zusätzlich pro Haustier | Hund 1 l, Katze 0,3 l pro Tag | mit einrechnen |
Im Sommer, bei Krankheit, Stillen oder körperlicher Arbeit steigt der Trinkbedarf auf 3 Liter und mehr. Plane lieber 25 als 20 Liter pro Person, und teile den Vorrat auf: ein Teil in Kanistern, ein Teil in gekauften Flaschen. Fällt ein Behälter aus oder kippt der Inhalt, ist nicht alles weg.
Kanister, Flaschen oder Faltbehälter?
| Behälter | Haltbarkeit des Inhalts | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Gekauftes Mineralwasser (PET, Glas) | Mindesthaltbarkeit 1 bis 2 Jahre, danach bei ungeöffneter Flasche weiterhin trinkbar | Steril abgefüllt, kein Aufwand, lässt sich im Alltag rotieren, portionierbar | Platz, Gewicht, PET gibt bei Wärme und Licht Geschmack ab, Pfand |
| Wasserkanister aus lebensmittelechtem PE/HDPE, 10 bis 20 l | Leitungswasser 6 Monate, konserviert bis 6 Monate und länger | Günstig, stapelbar, mit Hahn zapfbar, wiederverwendbar | Muss befüllt, gereinigt und gewechselt werden; 20 l wiegen 20 kg |
| Faltkanister / Wasserbeutel | Wie Kanister, aber nur befüllt lagern, wenn geruchsfrei | Leer fast kein Platz, ideal als Reserve für den Moment der Warnung | Weniger robust, Nähte können undicht werden, schlechter zu reinigen |
| Badewanne, Töpfe, Eimer | Nur Stunden bis wenige Tage, nur als Brauchwasser | 100 bis 150 Liter in Minuten, kostet nichts | Nicht zum Trinken, nur bei rechtzeitiger Warnung nutzbar |
Die sinnvollste Kombination für die meisten Haushalte: Zwei bis vier starre Kanister mit Hahn für Leitungswasser, ein paar Kisten Mineralwasser, die im Alltag mitgetrunken und nachgekauft werden, und zwei oder drei Faltkanister leer im Schrank für den Fall, dass eine Warnung kommt und noch Wasser aus dem Hahn läuft.
Wie lange hält sich Leitungswasser im Kanister?
Deutsches Leitungswasser ist von hoher Qualität, enthält aber meist kein Chlor. Das ist im Alltag gut, für die Lagerung aber ein Nachteil: In einem Kanister ohne Konservierung können sich nach einigen Wochen Keime und ein Biofilm bilden, vor allem bei Wärme und Licht. Als Faustregel gilt: Unkonserviertes Leitungswasser in sauberen, dicht verschlossenen, kühl und dunkel gelagerten Kanistern alle 6 Monate austauschen. Schmeckt es abgestanden, ist es nicht gleich gefährlich; kurz umgeschüttet oder abgekocht ist es wieder in Ordnung. Riecht es muffig oder ist es trüb, wegschütten und den Kanister reinigen.
Wer nicht alle sechs Monate 40 Liter umfüllen will, konserviert: Silberionen-Präparate wie Micropur Classic halten Wasser in sauberen Behältern bis zu sechs Monate keimfrei, ohne Geschmack, in Deutschland als Trinkwasserkonservierung zugelassen. Ein Fläschchen reicht für 1.000 Liter. Wichtig: Konservierung ist keine Desinfektion. Sie hält sauberes Wasser sauber, macht aber kein verunreinigtes Wasser trinkbar, dafür brauchst du Aufbereitungstabletten oder einen Wasserfilter.
Empfehlungen für den Wasservorrat
Wenn die Warnung kommt: Wasser in den letzten Minuten sichern
- Badewanne füllen. 100 bis 150 Liter Brauchwasser für Toilette, Waschen, Putzen. Stöpsel prüfen, notfalls mit einem Beutel abdichten.
- Alle Faltkanister, Töpfe, Eimer und Flaschen mit Trinkwasser füllen und abdecken.
- Thermoskannen mit heißem Wasser füllen, siehe Thermosflasche bei Stromausfall.
- Warmwasserspeicher und Heizungsanlage als Reserve im Kopf behalten: In einem Boiler stecken 80 bis 200 Liter, die sich über das Entleerungsventil zapfen lassen; als Brauchwasser, zum Trinken nur abgekocht.
- Regentonne als Brauchwasser und, gefiltert und abgekocht, im Notfall auch zum Trinken.
Wasser sparen, wenn der Vorrat läuft
Ein Vorrat reicht doppelt so lang, wenn er klug verwendet wird. Trinkwasser nur trinken und kochen. Zum Händewaschen eine Sprühflasche statt des Kanisters, das spart 90 Prozent. Geschirr mit Küchenpapier abwischen statt spülen, oder Einweggeschirr aus dem Vorrat. Toilettenspülung nur mit Brauchwasser aus Wanne oder Regentonne, und nur, wenn nötig; wie es ohne Spülung geht, steht im Ratgeber Nottoilette bei Wasserausfall. Kochwasser von Nudeln und Kartoffeln abgekühlt als Spülwasser weiterverwenden. Was sonst zur Hygiene ohne fließendes Wasser gehört, findest du im Ratgeber Hygiene bei Strom- und Wasserausfall.
Typische Fehler beim Wasservorrat
- Nur Mineralwasser, keine Kanister. Zehn Kisten für eine Familie sind unrealistisch, Kanister sind kompakter und billiger.
- Kanister aus dem Baumarkt für Benzin oder Chemie. Nur lebensmittelechte Behälter (Glas-Gabel-Symbol) verwenden.
- Abfüllen und vergessen. Ohne Datum auf dem Kanister weiß nach einem Jahr niemand, wie alt das Wasser ist.
- Lagerung neben Reinigungsmitteln oder in der Sonne. Kunststoff nimmt Gerüche an, Licht fördert Algen.
- Alles in einem Raum. Ein Teil des Vorrats gehört in die Wohnung, ein Teil in den Keller, etwas ins Auto.
- Kein Weg, Wasser aufzubereiten. Für den Fall, dass der Vorrat nicht reicht, gehören Filter oder Tabletten dazu.
Häufige Fragen zum Wasservorrat
Wie viel Wasser sollte man auf Vorrat haben?
Das BBK empfiehlt 2 Liter pro Person und Tag für zehn Tage, also 20 Liter pro Person zum Trinken und Kochen. Für Hygiene kommt etwa dieselbe Menge Brauchwasser dazu, das keine Trinkwasserqualität haben muss.
Wie lange hält sich Leitungswasser im Kanister?
In sauberen, dicht verschlossenen, kühl und dunkel gelagerten Kanistern etwa sechs Monate, danach austauschen. Mit Silberionen-Konservierung wie Micropur Classic bleibt es bis zu sechs Monate keimfrei, ohne alle paar Wochen kontrolliert zu werden. Trübes oder muffig riechendes Wasser wegschütten.
Ist Mineralwasser nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch trinkbar?
Ja, ungeöffnetes Mineralwasser ist praktisch unbegrenzt haltbar, das Datum ist eine Vorgabe des Handels. PET-Flaschen können nach langer Lagerung in Wärme und Licht einen Plastikgeschmack annehmen, Glasflaschen nicht.
Welcher Kanister ist für Trinkwasser geeignet?
Nur lebensmittelechte Kanister aus PE oder HDPE mit dem Glas-Gabel-Symbol, möglichst undurchsichtig oder in dunkler Lagerung, mit dichtem Schraubdeckel und Hahn. Keine gebrauchten Benzin- oder Chemiekanister, auch nicht gereinigt.
Kann man Wasser aus der Badewanne trinken?
Nur im Notfall und nur abgekocht oder gefiltert. Badewannenwasser ist Brauchwasser für Toilette, Waschen und Putzen. Zum Trinken sind gefüllte Kanister und Flaschen vorgesehen.
Wo lagert man den Wasservorrat am besten?
Kühl, dunkel, frostfrei und geruchsneutral, also Keller, Abstellraum oder Schrank, nicht neben Benzin, Farben oder Putzmitteln und nicht in der Sonne. Einen Teil in der Wohnung lagern, falls der Keller nicht erreichbar ist.
Fazit
Ein Wasservorrat für zehn Tage kostet pro Person weniger als 30 Euro und einen halben Meter Regalfläche: zwei Kanister, ein Fläschchen Konservierung, zwei Kisten Wasser, die ohnehin getrunken werden. Entscheidend sind Datum auf dem Kanister, ein kühler dunkler Platz und ein fester Termin zum Wechseln, etwa mit der Zeitumstellung. Wer dazu Filter oder Tabletten für den Fall hat, dass es länger dauert, hat das Thema Wasser abgehakt. Die nächsten Schritte: Lebensmittelvorrat planen und Notkocher für die warme Mahlzeit.
Wie viel davon dein Haushalt konkret braucht, rechnet dir unser Krisenvorsorge-Rechner in einer Minute aus: Personen und Tage eingeben, Liter, Kalorien und Dosen ablesen.
