Sturm und Hochwasser vorbereiten: Checklisten für die 48 Stunden vor dem Ereignis, Ausrüstung und die Frage, wann man geht
Wie dieses Projekt und seine Beitragsbilder entstehen
Sturm und Hochwasser vorbereiten heißt, die 24 bis 48 Stunden zwischen Unwetterwarnung und Ereignis zu nutzen. Die Warnungen des Deutschen Wetterdienstes und der Hochwasserzentralen sind heute Tage im Voraus verlässlich, und trotzdem stehen bei jedem Sturm Gartenmöbel auf dem Balkon und bei jedem Hochwasser Autos in der Tiefgarage. Dieser Ratgeber zeigt, was bei einer Sturmwarnung zu tun ist, was bei einer Hochwasserwarnung, welche Ausrüstung im Haus liegen sollte, wann man das Haus verlässt und wie man sich in der Lage verhält. Er baut auf dem Familien-Notfallplan, dem Stromausfall-Ratgeber und der Dokumentenmappe auf.
Die Warnung verstehen und ernst nehmen
Der Deutsche Wetterdienst warnt in vier Stufen. Stufe 1 (Wetterwarnung, gelb) heißt Aufmerksamkeit; Stufe 2 (markantes Wetter, orange) heißt Vorsorge treffen; Stufe 3 (Unwetter, rot) heißt Vorsorge abschließen, Aufenthalt im Freien meiden; Stufe 4 (extremes Unwetter, violett) heißt lebensbedrohliche Lage, Anweisungen der Behörden befolgen. Für Hochwasser gelten die Meldestufen der Länder, meist von 1 (kleines Hochwasser) bis 4 (sehr großes Hochwasser mit Bedrohung von Wohngebieten). Beide Systeme kommen über die Warn-Apps NINA und KATWARN, über Cell Broadcast auf jedes Handy, über Radio und über die Sirenen. Wer die Apps installiert und den Wohnort eingetragen hat, bekommt die Warnung zuerst; wer zusätzlich ein Kurbelradio hat, bekommt sie auch, wenn Strom und Mobilfunk ausfallen.
Der häufigste Fehler ist, die Warnung zu lesen und abzuwarten. Die Zeit zwischen Warnung und Ereignis ist die einzige, in der man handeln kann; wenn der Sturm da ist, geht niemand mehr aufs Dach, und wenn das Wasser im Keller steht, ist die Tiefgarage zu.
Sturmwarnung: die Checkliste für 24 Stunden vorher
Ab Stufe 2 mit Sturmböen über 90 km/h, spätestens bei Stufe 3 (Orkanböen über 120 km/h), wird die Liste abgearbeitet. Sie dauert für ein Einfamilienhaus mit Garten eine Stunde, für eine Wohnung zwanzig Minuten.
| Bereich | Was zu tun ist | Warum |
|---|---|---|
| Balkon, Terrasse, Garten | Alles hereinholen oder festbinden: Möbel, Sonnenschirme, Blumenkästen, Grill, Trampolin (abbauen oder mit Gewichten sichern), Mülltonnen, Spielzeug, Fahrräder | Ein fliegender Stuhl durchschlägt Fensterscheiben und Autoscheiben; Trampoline sind das häufigste Sturmgeschoss |
| Fenster, Rollläden, Markisen | Fenster und Türen schließen, Rollläden herunter, Markisen einfahren, Dachfenster verriegeln | Rollläden schützen die Scheibe vor Ästen; eine offene Markise reißt das Gestell aus der Wand |
| Dach und Fassade | Lose Ziegel, Antennen, Satellitenschüsseln, Regenrinnen kontrollieren, nur bei Windstille und nur mit Sicherung; im Zweifel den Dachdecker rufen | Nach der Warnung ist der Dachdecker ausgebucht; ein loser Ziegel wird zum Geschoss |
| Auto | In die Garage oder weg von Bäumen, Gerüsten, Werbetafeln, Baukränen; nicht unter Hochspannungsleitungen; Tiefgarage nur bei Sturm ohne Starkregen | Astbruch ist der häufigste Sturmschaden am Auto |
| Strom und Wasser | Powerbanks und Powerstation laden, Handy laden, Taschenlampen bereitlegen, Badewanne und Kanister füllen, Kühlschrank kalt stellen | Stürme reißen Leitungen ab; Stromausfall von Stunden bis Tagen ist die Regel |
| Menschen und Tiere | Termine und Fahrten verschieben, Kinder von Schule und Kita rechtzeitig abholen, Tiere ins Haus, Angehörige informieren | Der Sturm ist am gefährlichsten im Freien und im Auto, nicht im Haus |
| Im Haus | Ein Raum ohne große Fenster als Aufenthaltsort, Radio, Notfallrucksack und Dokumentenmappe griffbereit, Kerzen mit Löschdecke, Erste-Hilfe-Set | Bei Orkan kann eine Scheibe brechen; wer im Innenraum sitzt, ist sicher |
Während des Sturms: im Haus bleiben, weg von Fenstern, nicht aufs Dach, nicht in den Wald, nicht ins Auto. Wer unterwegs ist, hält an einem geschützten Ort ohne Bäume und bleibt im Fahrzeug. Nach dem Sturm: Schäden fotografieren, bevor aufgeräumt wird (Versicherung), abgerissene Stromleitungen nie berühren und der 112 melden, Dachschäden nur mit Sicherung und bei Windstille angehen, Nachbarn fragen, ob jemand Hilfe braucht.
Hochwasserwarnung: die Checkliste für 48 Stunden vorher
Hochwasser kommt in zwei Formen. Das Flusshochwasser kündigt sich Tage vorher an, steigt langsam und lässt Zeit. Die Sturzflut nach Starkregen kommt in Minuten, oft dort, wo kein Fluss ist, durch übervolle Kanäle, Hanglagen und kleine Bäche; das Ahrtal 2021 war eine Sturzflut, und die Warnungen kamen Stunden vorher, nicht Tage. Für beide gilt: Wer in einem Risikogebiet wohnt, weiß es. Die Hochwassergefahrenkarten der Länder zeigen für jede Adresse, ob sie bei einem 100-jährigen Hochwasser überflutet wird, und wer im Tal, an einem Bach oder an einem Hang mit Kanaleinläufen wohnt, ist bei Starkregen betroffen, auch ohne Fluss.
| Zeitpunkt | Was zu tun ist |
|---|---|
| Bei Warnung (48–24 Stunden vorher) | Auto aus Tiefgarage und Senken auf eine Anhöhe stellen; Keller räumen, alles Wertvolle, Elektrische und Chemische nach oben; Heizöltank sichern (Auftrieb); Dokumentenmappe, Bargeld und Medikamente nach oben; Notfallrucksack packen; Wasser und Essen für drei Tage nach oben; Powerbanks laden; Nachbarn und Angehörige informieren; Route zur Anhöhe und Treffpunkt der Familie besprechen |
| Bei Ansteigen (24–6 Stunden vorher) | Sandsäcke oder Hochwassersperren vor Türen, Kellerfenster, Lichtschächte, Garagentor; Rückstauklappe prüfen oder Abflüsse im Keller mit Sandsack beschweren; Strom im Keller abschalten; Gas absperren, wenn der Versorger es empfiehlt; Tiere bereit machen; Fahrzeug tanken |
| Bei Überflutung | Nicht in den Keller, nicht in die Tiefgarage, nicht durch fließendes Wasser fahren oder gehen (30 cm strömendes Wasser reißen einen Menschen um, 50 cm ein Auto); Strom im ganzen Haus abschalten, wenn Wasser ins Erdgeschoss dringt; nach oben, nicht nach draußen, wenn Evakuierung nicht mehr möglich ist; Notruf; Radio hören |
| Bei Evakuierungsaufforderung | Sofort, mit Notfallrucksack, Dokumentenmappe, Medikamenten, Tieren; Fenster und Türen schließen, Strom und Gas aus, Zettel an die Tür mit Namen und Ziel; den vorgegebenen Weg nehmen, nicht die Abkürzung durch das Tal |
Die Ausrüstung: was im Haus liegen sollte
Sturm und Hochwasser brauchen wenig Spezialausrüstung, und das meiste davon deckt der normale Vorrat aus dem Stromausfall-Ratgeber und dem Notfallrucksack ab: Wasser, Essen, Licht, Radio, Powerbank, Erste-Hilfe-Set, Dokumentenmappe. Was für Hochwasser hinzukommt, ist die Fähigkeit, Wasser abzuhalten und wieder loszuwerden:
| Ausrüstung | Wofür | Hinweis |
|---|---|---|
| Hochwassersperren oder Sandsäcke | Türen, Kellerfenster, Lichtschächte, Garagentor abdichten | Wasseraktivierte Sperren sind leicht, lagern trocken jahrelang und quellen in Minuten; klassische Sandsäcke brauchen Sand und Zeit |
| Tauchpumpe für Schmutzwasser | Keller leerpumpen, sobald das Wasser draußen fällt | Nur mit Strom (Generator oder Powerstation) oder nach Rückkehr des Stroms; Flachsaugpumpen schaffen bis wenige Millimeter Restwasser |
| Rückstauklappe | Verhindert, dass Kanalwasser durch Bodenabläufe und Toiletten im Keller hochdrückt | Fest installiert vom Sanitärbetrieb; die häufigste Ursache für Kellerwasser bei Starkregen ist Rückstau, nicht der Fluss |
| Gummistiefel, wasserdichte Handschuhe, Regenkleidung | Arbeiten im Wasser und im Schlamm | Hochwasser ist mit Abwasser, Öl und Chemikalien belastet; Haut schützen, Wunden abdecken |
| Folie, Panzertape, Bretter, Schrauben | Notabdichtung von Fenstern, Türen, Dachschäden | Baumarktware, die nach dem Sturm ausverkauft ist |
| Wasserdichte Kisten oder Fässer | Wertsachen, Fotos, Festplatten, Dokumente | Im Obergeschoss lagern, nicht im Keller |
| Stromerzeuger oder Powerstation | Pumpe, Licht, Kühlschrank nach dem Hochwasser | Generator nur im Freien; siehe Powerstation-Ratgeber |
Gehen oder bleiben?
Die Entscheidung, das Haus zu verlassen, fällt nicht im Wasser, sondern bei der Warnung. Die Regel: Bei Evakuierungsaufforderung der Behörden geht man, ohne zu diskutieren. Ohne Aufforderung geht man, wenn das Haus im ausgewiesenen Überflutungsgebiet liegt, wenn es nur ein Erdgeschoss hat, wenn Kinder, Kranke oder Pflegebedürftige im Haushalt sind oder wenn der Fluchtweg bei steigendem Wasser abgeschnitten würde. Man bleibt, wenn das Haus ein sicheres Obergeschoss hat, das Wasser laut Prognose das Erdgeschoss nicht erreicht, Wasser und Essen für drei Tage oben liegen und der Kontakt zur Außenwelt steht. Wer geht, geht früh, bei Tageslicht, mit dem Auto auf der vorgegebenen Route, oder zu Fuß bergauf, nie entlang des Flusses. Der Familien-Notfallplan beschreibt Treffpunkte, Kontaktkette und den Zettel an der Tür.
Nach dem Hochwasser
Erst wenn das Wasser draußen unter das Niveau im Keller gefallen ist, wird gepumpt; vorher drückt der Wasserdruck von außen die Kellerwände ein. Strom bleibt aus, bis ein Elektriker die Anlage geprüft hat; nasse Leitungen und Steckdosen sind lebensgefährlich. Hochwasser ist Abwasser: Handschuhe, Stiefel, Wunden abdecken, danach Hände desinfizieren, Lebensmittel, die Kontakt mit dem Wasser hatten, entsorgen, Trinkwasser aus der Leitung erst nach Freigabe durch den Versorger. Schäden fotografieren, Versicherung informieren (Elementarschadenversicherung, sofern abgeschlossen), Schlamm entfernen, solange er feucht ist, und trocknen, trocknen, trocknen: Bautrockner mieten, Wände öffnen, Estrich prüfen. Schimmel entsteht in 48 Stunden.
Typische Fehler vermeiden
- Warnung lesen und abwarten. Die 24 Stunden vorher sind die einzigen, in denen man handeln kann.
- In den Keller, um etwas zu retten. Die häufigste Todesursache bei Hochwasser.
- Durch Wasser fahren. 50 Zentimeter strömendes Wasser heben ein Auto an und tragen es weg; die Tiefe ist von oben nicht zu erkennen.
- Trampolin und Gartenmöbel stehen lassen. Die häufigsten Sturmgeschosse.
- Keine Elementarschadenversicherung. Die Wohngebäudeversicherung zahlt bei Sturm, aber nicht bei Hochwasser und Starkregen; das ist der Baustein, der fehlt.
- Warn-Apps nicht installiert. NINA und KATWARN mit Wohnort, dazu Cell Broadcast aktiv lassen.
Häufige Fragen
Was muss ich bei einer Sturmwarnung tun?
Alles Lose von Balkon, Terrasse und Garten hereinholen oder festbinden, besonders Trampoline und Möbel; Fenster schließen, Rollläden herunter, Markisen einfahren; das Auto weg von Bäumen und Gerüsten stellen; Powerbanks laden, Badewanne und Kanister füllen; Fahrten verschieben und während des Sturms im Haus bleiben, weg von Fenstern.
Woher weiß ich, ob mein Haus hochwassergefährdet ist?
Die Hochwassergefahrenkarten der Bundesländer zeigen für jede Adresse, ob sie bei einem hundertjährigen Hochwasser überflutet wird. Bei Starkregen sind zusätzlich Tallagen, Hanglagen, Grundstücke an kleinen Bächen und Keller mit Bodenabläufen ohne Rückstauklappe betroffen, auch ohne Fluss in der Nähe.
Was tue ich bei einer Hochwasserwarnung zuerst?
Das Auto aus Tiefgarage und Senken auf eine Anhöhe stellen, den Keller räumen und Wertvolles, Elektrisches und Chemisches nach oben tragen, Dokumente, Bargeld und Medikamente nach oben, Notfallrucksack packen, Sperren oder Sandsäcke vor Türen und Kellerfenster, Strom im Keller abschalten und die Familie über Treffpunkt und Fluchtweg informieren.
Wann muss ich das Haus bei Hochwasser verlassen?
Sofort bei einer Evakuierungsaufforderung der Behörden. Ohne Aufforderung, wenn das Haus im Überflutungsgebiet liegt, nur ein Erdgeschoss hat, Kinder, Kranke oder Pflegebedürftige im Haushalt sind oder der Fluchtweg bei steigendem Wasser abgeschnitten würde. Früh gehen, bei Tageslicht, bergauf, nie entlang des Flusses und nie durch fließendes Wasser.
Zahlt die Versicherung bei Sturm und Hochwasser?
Die Wohngebäude- und Hausratversicherung zahlt bei Sturm ab Windstärke 8, aber nicht bei Hochwasser und Starkregen. Dafür ist eine zusätzliche Elementarschadenversicherung nötig. Schäden vor dem Aufräumen fotografieren und der Versicherung umgehend melden.
Fazit
Sturm und Hochwasser sind die Lagen, für die es Warnungen gibt, und die Vorsorge besteht darin, sie zu nutzen: bei Sturm alles hereinholen, Rollläden herunter, Auto weg von Bäumen, Strom und Wasser vorhalten; bei Hochwasser Auto auf die Anhöhe, Keller räumen, Sperren vor die Türen, Dokumente und Medikamente nach oben, und im Zweifel früh gehen statt spät. Die Ausrüstung dafür ist klein: Hochwassersperren, eine Tauchpumpe, Gummistiefel, Folie und Tape, dazu der Vorrat, der ohnehin für den Stromausfall im Haus liegt. Was in den Rucksack gehört, wenn man geht, zeigt der Notfallrucksack-Ratgeber; was zu Hause bleiben muss, rechnet der Vorratsrechner.
